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Nicht leuchtende eBook-Reader als Tablet-Ersatz (Lichtempfindlichkeit)

E-Book-Reader Onyx Boox i86

Leuchtende Bildschirme als Migräne-Trigger

In den letzten Wochen habe ich mir eine weitere Migräne-Baustelle vorgenommen: mein Problem mit leuchtenden Bildschirmen (Computer, Tablet und auch Handy). Dafür teste ich den eBook-Reader Onyx Boox i86 HD ML Plus als Tablet-Ersatz (direkt zum Produkttest springen).

Lichtempfindlichkeit ist ein bekanntes Problem bei Migräne. Schon immer hatte ich mit Kopfschmerzen und/oder Migräne zu kämpfen, wenn ich zu lange auf einen Bildschirm schaue oder auch von der Sonne oder anderen Lichtquellen (z.B. Autoscheinwerfern bei Nacht) geblendet werde. Da ich beruflich den ganzen Tag am Computer sitze und auch privat gerne die Zeitung auf dem Tablet lese, mich mit Freunden per Chat unterhalte, einen Film auf dem Laptop schaue oder ein Computerspiel spiele, schränkt mich dieser Trigger sehr ein und könnte langfristig sogar Berufsunfähigkeit bedeuten… In letzter Zeit ist es so schlimm geworden, dass sogar ein kurzer Blick auf das Handy-Display Schmerzen auslösen kann und die Benutzung von Computer oder Laptop höchstens noch 15 Minuten geht.

Bisher kann man eigentlich nicht viel dagegen tun, außer vielleicht die Helligkeit der Bildschirme herunter zu regeln, oder bei der Bildschirmarbeit eine Sonnenbrille zu tragen. Das allerdings verschlechtert die Lesbarkeit und strengt die Augen auch an.

Bildschirm ohne Leuchten: E-Ink

Eine viel bessere Hilfe könnte in Zukunft E-Paper bzw. E-Ink (elektronisches Papier / Tinte) werden. Das ist die Technologie, mit der eBook-Reader wie der Amazon Kindle arbeiten. Denn diese Bildschirme leuchten nicht!

Zuerst die schlechte Nachricht: leider gibt es bisher so gut wie keine Computer-Bildschirme oder Tablets, die mit E-Ink arbeiten. Die gute Nachricht: es kommt aber langsam Bewegung in die Sache und so habe ich mir angeschaut (und ausprobiert), was bisher möglich ist.

E-Paper-Bildschirme werden bisher fast ausschließlich in eBook Reader wie den Amazon Kindle eingebaut. Die Bildschirme selber bestehen nicht aus leuchtenden Elementen (wie LCD oder LED). Möchte man sie im Dunkeln benutzen, muss man entweder das Licht im Zimmer anschalten, oder man hat einen eBook-Reader, der eine zusätzliche Lichtquelle eingebaut hat. Diese sitzt dann meist am Rand des Bildschirms und beleuchtet ihn von der Seite. Herkömmliche Bildschirme wie LCD oder LED dagegen leuchten selber und scheinen einem somit immer direkt in die Augen.

Dieses Nicht-Leuchten macht den entscheidenden Unterschied und könnte die Lösung für meine Probleme sein – nur gibt es leider bisher keine Laptops oder Tablets mit E-Ink-Bildschirmen und nur einen Computer-Monitor auf Basis dieser Technologie. Letzteren allerdings nur in China, bisher noch in der Entwicklung und nicht frei verkäuflich – mehr dazu später!

eBook-Reader mit Apps als Tablet-Ersatz

Gott sei Dank gibt es aber inzwischen ein paar eBook-Reader, auf denen man wie auf einem Smartphone Apps wie einen Internet-Browser oder Facebook installieren kann und genau das werde ich als erstes testen. Einen eBook-Reader als Tablet-Ersatz!

Boox_externe_Tastatur

Meine Anforderungen – was möchte ich benutzen können:

  • Einen Internet-Browser
  • News-Apps von Tageszeitungen
  • Facebook
  • Facebook-Messenger zum Chatten
  • E-Mail
  • Eine App für Textverarbeitung, so dass ich z.B. Blogbeiträge schreiben kann.
  • Die Möglichkeit eine externe Tastatur anschließen zu können (über Bluetooth oder USB).
  • Um Apps überhaupt installieren zu können, muss der eBook-Reader ein möglichst aktuelles Android-Betriebssystem haben.

Produkttest: Onyx Boox i86 HD ML Plus

Nach einiger Recherche habe ich mich für ein Onyx Boox i86 HD ML Plus in 8 Zoll für € 260,- entschieden. (Ich hatte auch ein Icarus Illumina hier, allerdings hatte ich Probleme mit dem Touchscreen, die ich gerade noch mit dem Support zu lösen versuche. Hoffentlich bald mehr dazu.)

Eine kurze Übersicht über die Vor- und Nachteile:

+ Großer 8 Zoll Bildschirm

+ Bluetooth für die Anbindung einer externen Tastatur

+ Verschiedene Anzeige-Modi: Kontrast der Anzeige kann angepasst werden, was bei manchen Apps und Webseiten wichtig ist. „A2“-Modus für schnelleres Update der Anzeige und weniger Flackern.

– Nicht die neuste Android-Version (4.0.4), Update auf 4.4 soll aber bald möglich sein

– Mit 340g deutlich schwerer als mein alter Kindle (aktuelle Kindle: 180 – 220 g)

– Wenig interner Speicher, zusätzliche Speicherkarte bei Installation von Apps fast unerlässlich

– Nicht alle Apps laufen absturzfrei

Browser

Die großen Vorteile aus meiner Sicht sind vor allem der große Bildschirm, der das Lesen von Webseiten und in Apps erleichtert und dass man über Bluetooth eine Tastatur anschließen kann. Daher kann ich sogar Blogbeiträge recht komfortabel schreiben. Stünde nur die virtuelle Bildschirmtastatur zur Verfügung, wäre das so gut wie unmöglich – das ist bei langen Texten viel zu mühsam.

Der Reader hat mit Android 4.0.4 nicht die neuste Version installiert, ein Update auf 4.4 ist aber angekündigt und kann heute schon als Vorab-Testversion installiert werden. Leider bedeutet das im Moment noch ein bisschen zusätzlichen Aufwand: entweder man installiert die Vorab-Version, die evtl. noch fehlerhaft ist, oder man muss einige Apps etwas umständlich „per Hand“ installieren. (Indem man die .apk-Dateien der Apps herunterlädt, auf den Reader überträgt und installiert.)

Die Benutzung

Beim Benutzungskomfort muss man einige Abstriche machen. E-Ink ist eben für die (möglichst stromsparende) Darstellung von Schrift optimiert und nicht für Bilder oder gar Videos. Zunächst gibt es bisher nur Bildschirme in Graustufen. Probleme bekommt so ein E-Ink-Bildschirm aber vor allem bei sich schnell wechselnden Inhalten wie Videos oder auch schon beim Scrollen durch eine Website. Mein altes Kindle von vor ein paar Jahren hatte schon einen „experimentellen“ Internet-Browser installiert, der war allerdings so gut wie gar nicht zu benutzen. Vor dem Kauf habe ich mir ein paar Testberichte zu eBook-Readern mit Android durchgelesen und war daher vorgewarnt. Die Hauptanwendung bleibt das Lesen von eBooks – Internet-Browser und Apps dagegen laufen häufig unzuverlässig und können zu Abstürzen der Reader führen. Noch ist das Ganze anscheinend eine Nische für Verzweifelte wie mich 😉

In sofern waren meine Erwartungen nicht allzu groß und ich muss sagen, dass ich mit dem Ergebnis zurzeit ganz zufrieden bin. Zumal es wenige bis keine Alternativen gibt, wenn ich Computer-Bildschirme schmerzfrei benutzen will.

Alle Apps, die ich haben wollte, funktionieren:

Es gibt ein schon vorinstalliertes E-Mail-Pogramm, das sehr gut funktioniert. Außerdem konnte ich News (zurzeit Spiegel Online), Facebook, Facebook Messenger zum Chatten und ein Textverarbeitungsprogramm installieren. Mit dem Textverarbeitungsprogramm WPS Office kann ich sogar Dateien auf dem Cloud-Speicher Microsoft Drive speichern.

Facebook stürzt leider hin und wieder ab – immer wenn eigentlich ein Video angezeigt werden sollte, das eine Vorschau-Funktion hat und automatisch losläuft.

WPS Office stellt sich bei langen Dateien manchmal ein bisschen zickig an. Wenn man die Pfeiltasten benutzt, um durch den Text zu navigieren, weigert es sich am Ende einer Seite manchmal auf die nächste Seite zu springen, was man aber durch Drücken der Return-Taste beheben kann. Ansonsten läuft es aber sehr stabil. Das Tippen über die Bluetooth-Tastatur geht flüssig und zügig von statten.

Der Browser stürzt hin und wieder ab, auch hier oft bei Video-Inhalten oder Webseiten mit vielen dynamischen Werbeeinblendungen. Das Scrollen durch Webseiten und Apps ist gewöhnungsbedürftig. Erst einmal ist es recht langsam und auf Grund der E-Ink-Technologie gibt es am Ende immer ein Aufflackern des Bildschirms, wenn dieser aktualisiert wird. An das Flackern hatte ich mich nach ca. 1 Tag schon ganz gut gewöhnt, das langsame Scrollen ist oft noch eine Geduldsprobe.

Eigentlich hatte ich gehofft, dass der „A2“-Anzeigemodus das Flackern minimieren würde. Das tut er auch – allerdings taucht dann ein anderes Problem verstärkt auf: das sogenannte Ghosting, bei dem Schatten des vorher angezeigten Inhalts bestehen bleiben. Also ist A2 zurzeit leider keine gute Alternative in Apps und auf Webseiten, da er von diesen nicht gut unterstützt wird.

Hin und wieder stürzt auch die Spiegel News-App ab und wenn das Boox in den Ruhezustand fährt, verliert es schon mal die WLAN-Verbindung. Daher habe ich die Zeit bis zum Ruhezustand sehr lang eingestellt. Sollte es doch mal passieren kann man das Problem mit einem Neustart beheben.

Apps

Mein Fazit

Alles in allem bin ich glücklich überhaupt wieder Nachrichten und E-Mails lesen (und Blogartikel schreiben) zu können, ohne ständig Kopfschmerzen oder Migräne zu bekommen! Einige Sachen funktionieren viel besser als ich dachte, z.B. das Schreiben im Textverarbeitungsprogramm, die Anbindung der externen Tastatur und die Installation von Apps. Die Abstürze können allerdings recht nervig sein.

Solltet ihr überlegen, ob ein eBook-Reader als Tablet-Ersatz auch für euch in Frage kommt, müsst ihr euch darüber im Klaren sein, dass das Ganze bisher noch nicht sehr komfortabel ist und ihr einige Abstriche machen müsst.

Was man benötigt

eBook-Reader mit Android-Betriebssystem wie z.B.

  • Onyx Boox i86 HD ML Plus 8″ oder Onyx Boox M96 9,7″
    • mit Android 4.0.4, Update auf 4.4 angekündigt, Bluetooth für externe Tastatur
  • Icarus Illumina 6″ oder Icarus Illumina XL 8″
    • mit Android 4.2, kein Bluetooth, externe Tastatur evtl. über USB OTG anschließbar
  • Icarus Illumina eXceL 9,7″
    • mit Android 4.0, kein Bluetooth, externe Tastatur evtl. über USB OTG anschließbar

Optional:

  • eine externe Bluetooth-Tastatur oder eine externe USB-Tastatur mit USB-OTG-Kabel mit externer Stromversorgung (die zweite Möglichkeit habe ich noch nicht getestet)
  • die App External Keyboard Helper
  • einen Ständer für den Reader
  • eine SD-Karte für zusätzlichen Speicherplatz
  • eine Schutzhülle

 


In einer Fortsetzung kann ich hoffentlich im nächsten Monat auch den Test des ersten Computer-Bildschirms auf E-Paper-Basis mit euch teilen! Vor Kurzem konnte ich nämlich die Chance nutzen einen der wenigen Prototypen in China zu bestellen, der im März geliefert werden soll. Ich bin schon sehr aufgeregt, da ich große Hoffnungen in die Technologie setze und dann vielleicht auch meinen Computer wieder schmerzfrei nutzen kann.


Zum Weiterstöbern:

Internet-Browser auf dem Boox i86 (Youtube-Video)


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2 Gedanken zu “Nicht leuchtende eBook-Reader als Tablet-Ersatz (Lichtempfindlichkeit)

  1. Wichtiges Thema! Bitte mehr dazu!
    Gruß Siebenstern

    1. Hallo Siebenstern,
      was interessiert Dich denn besonders an dem Thema? Vielleicht kann ich das demnächst dann mit einbauen 🙂
      Viele Grüße, Fran

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