Lichtempfindlichkeit

Migräneprophylaxe

Gegen Migräne vorbeugen

Hier findet ihr eine Zusammenfassung der Möglichkeiten zur Vorbeugung gegen Migräne, wie sie z.B. von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der Schmerzklinik Kiel oder internationalen Migränegesellschaften empfohlen werden.

Vitamine, Verhaltensanpassung, Medikamente und nicht-medikamentöse Verfahren können helfen, die Anzahl der Migränetage, oder die Dauer und Schwere der Migräne positiv zu beeinflussen.

Im letzten Kapitel stelle ich auch neuere, noch nicht sehr gut erforschte Ansätze zur Vorbeugung gegen Migräne vor.


Inhalt (Vorbeugung gegen Migräne):

  1. Vitamine, Mineralien & Co.
    1. Vitamin B2 (Riboflavin)
    2. Magnesium
    3. Coenzym Q10
    4. Pestwurz (englisch „Butterbur“)
    5. Mutterkraut (englisch „Feverfew“)
    6. Verfügbare Vitaminpräparate
  2. Verhaltensanpassung
    1. Gleichmäßiger Tagesablauf
    2. Trigger-Vermeidung – gut oder schlecht?
  3. Nicht-medikamentöse Prophylaxe
    1. Ausdauersport
    2. Entspannungsverfahren
    3. Psychotherapeutische Verfahren
    4. Biofeedback
    5. Akupunktur
  4. Medikamentöse Prophylaxe
    1. Medikamente zur Vorbeugung
  5. Chronische Migräne
    1. Botulinumtoxin
    2. Implantat zur Neurostimulation
  6. Neues aus der Migräneforschung
    1. Transkutane Neurostimulation

 


Disclaimer

Ich bin kein Arzt oder Apotheker und kann daher keine Empfehlungen zur Behandlung der Migräne abgeben. Ich werde stattdessen zusammenfassen, was an anderer Stelle, vor allem in der Leitlinie zur Migränetherapie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Neurologie u.a., oder auch von Experten der Schmerzklinik Kiel oder des britischen Migraine Trust beschrieben wird. Bitte besprecht jede Maßnahme vorher mit eurem Arzt! Für Medikamente gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Alle Daten beziehen sich auf (bis auf die Migräne) gesunde Erwachsene. Bitte seid besonders vorsichtig in der Schwangerschaft und Stillzeit oder wenn ihr andere Erkrankungen habt oder regelmäßig Medikamente nehmt.


1.

Vitamine, Mineralien & Co.

Eine einfache und meist gut verträgliche Vorbeugung gegen Migräne ist die Einnahme von Magnesium und Vitamin B2 (hochdosiert), die es auch als Kombipräparat zu kaufen gibt.

Magnesium und Vitamin B2 werden in der Leitlinie zur Migränetherapie als Mittel der 2. Wahl zur Migränprophylaxe geführt, da ihre Wirkung weniger gut belegt ist. Da bei ihrer Einnahme aber im Gegensatz zu Mitteln der 1. Wahl (wie z.B. Betablockern, Antidepressiva, Antiepileptika etc.) nur sehr geringe Nebenwirkungen zu erwarten sind, werden sie häufig als erste ausprobiert.

1.1

Vitamin B2 (Riboflavin)

Vitamin B2 (auch Riboflavin genannt) färbt in einer hohen Dosierung den Urin gelb und kann zu Durchfall führen. Eine über den Tag verteilte Einnahme der Gesamtdosis kann dagegen helfen. Andere Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Vitamin B2 ist wasserlöslich, überschüssige Mengen werden vom Körper ausgeschieden.

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

„Zu hochdosiertem Vitamin B2 (Tagesdosis 2 × 200 mg) liegen bisher nur kleinere placebokontrollierte Studien vor, die eine Wirksamkeit dieser Substanz nahelegen (Schoenen et al. 1997, Schoenen et al. 1998).“¹

Empfohlen Menge:

  • 400 mg Vitamin B2 / Tag¹,²


1.2

Magnesium

Bei der Einnahme von Magnesium kann vor allem Durchfall auftreten. Um dies zu verhindern und um eine bessere Aufnahme im Körper zu erreichen, sollte die Dosis langsam gesteigert und über den Tag verteilt werden.

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

„In einer Dosis von 10 mmol/d wurde für Magnesium in Kopfschmerzzentren keine Wirksamkeit gezeigt (Pfaffenrath et al. 1996); die Dosis von 24 mmol/d [600 mg] war in einer Population wirksam, die in allgemeinärztlichen Praxen betreut wurde (Peikert et al. 1996). Wenn überhaupt wirksam, ist die Reduktion der Attackenfrequenz nicht sehr ausgeprägt oder die notwendigen Dosierungen werden wegen Diarrhöen nicht erreicht.“¹

Laut der britischen Charity-Organisation Migraine Trust sollte man bei gleichzeitiger Einnahme von Magnesium und Antibiotika aufpassen, da Magnesium die Wirkung von Antibiotika verringern kann. Es wird eine zeitlich versetzte Einnahme empfohlen.4

 

Empfohlen Menge:

  • 600 mg Magnesium / Tag¹,²
  • Häufig wird Magnesium-Citrat (anstatt Magnesium-Oxid o.ä) empfohlen
  • Gesamtmenge über den Tag verteilen für bessere Verwertung im Körper
  • Langsam aufdosieren, sonst kann es zu Durchfall kommen


1.3

Coenzym Q10

Manchen Migränikern hilft auch die tägliche Einnahme von Coenzym Q10. Laut Leitlinien zur Therapie der Migräne gibt es widersprüchliche Studien zur Wirkung von Coenzym Q10:

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

Die Wirksamkeit von Coenzym Q10 (Tagesdosis 3 × 100 mg) wurde bisher in einer kleinen bizentrischen placebokontrollierten Studie positiv getestet (Sandor et al. 2005). Dagegen konnte einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie an Kindern und Heranwachsenden keine Überlegenheit von Coenzym Q10 gegenüber Placebo gezeigt werden (Slater et al. 2011).¹

Empfohlene Menge:

  • 3 x 100 mg / Tag¹
  • Häufig wird empfohlen Coenzym Q10 in Form von „Ubichinol“ (englisch Ubiquinol) und nicht in Form des häufiger verkauften „Ubichinon“ (englisch Ubiquinon) zu sich zu nehmen, da es vom Körper wahrscheinlich besser aufgenommen werden kann.


1.4

Pestwurz (englisch „Butterbur“)

Pestwurz-Extrakt, das in Deutschland unter dem Namen „Petadolex“ als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben wird, soll eine prophylaktische Wirkung gegen Migräne haben, allerdings wurde laut Leitlinie zur Therapie der Migräne unter der Einnahme wohl in sehr seltenen Fällen von schweren Leberproblemen berichtet.

Professor Dr. Diener des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums spricht dagegen 2005 in der Pharmazeutischen Zeitung von einer „positiven Nutzen-Risiko-Bewertung“ für Petadolex.

Im englischen Sprachraum ist Pestwurz unter dem Namen „Butterbur“ bekannt.

Pestwurz-Extrakt sollte niemals selber hergestellt oder aus nicht eindeutig sicheren Quellen bezogen werden, da die Pflanze Pyrrolizidinalkaloide enthält, die krebserregend, erbgutverändert und giftig für die Leber sein können (Wikipedia-Artikel zu Pestwurz).

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

„Petadolex hat seine Wirksamkeit in 2 placebokontrollierten Studien belegt (Diener et al. 2004a; Lipton et al. 2004). In sehr seltenen Fällen kommt es zu schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen.“¹


1.5

Mutterkraut (englisch „Feverfew“)

In englischsprachigen Blogs und Webseiten zu Migräne wird oft von „Feverfew“ als Migräneprophylaxe berichtet. Hierbei handelt es sich um Mutterkraut. Laut Leitlinie zur Therapie der Migräne wurde die Wirksamkeit von Mutterkraut als CO2-Extrakt in Studien belegt. Da es Mutterkraut in dieser Form aber in Deutschland nicht zu kaufen gibt und die Wirksamkeit und Sicherheit anderer Formen von Mutterkraut nicht erforscht sind, wird von einer Einnahme offiziell abgeraten.¹

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

Mutterkraut als CO2-Extrakt war [..] in 2 Studien wirksam (Pfaffenrath et al. 2002, Diener et al. 2005).¹

Die britische Charity-Organisation „Migraine Trust“ lehnt Mutterkraut (Feverfew) dagegen nicht grundsätzlich ab. Sie gibt allerdings Hinweise, Mutterkraut nicht während der Schwangerschaft oder der Stillzeit und nicht zusammen mit Aspirin oder ähnlichen Schmerzmitteln zu nehmen. Außerdem empfehlen sie besonders vorsichtig zu sein, falls Diabetes, Leberprobleme oder eine Alkoholabshängigkeit bestehen, da Mutterkraut-Präparate Alkohol oder Zucker enthalten können.

Hier das Fact Sheet zu Feverfew des Migraine Trust.

Weitere Informationen auf der Seite des Migraine Trust zu pflanzlichen Präparaten.


1.6

Verfügbare Vitaminpräparate

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Einige der weiter oben genannten Vitamine sind in den folgenden Nahrungsergänzungsmitteln enthalten:
Stand 18.05.2015

Migravent Classic:
Enthält Magnesium-Citrat und Vitamin B2.
8 Kapseln enthalten:

  • 600 mg Magnesium-Citrat
  • 400 mg Vitamin B2
  • nur diese beiden Wirkstoffe enthalten

Wichtige Hinweise laut Produktinformation: „Die Anwendung von Migravent Classic sollte gemäß der Verzehrsempfehlung täglich über mehrere Monate erfolgen. Während der Anwendung von Migravent Classic sollten Sie keine weiteren magnesium- oder Vitamin B2-haltigen Präparate einnehmen. Schwangere und Kinder sollten die Anwendung mit ihrem Arzt abstimmen. Vitamin B2 ruft eine unbedenkliche gelbliche Färbung des Urins hervor. Wie alle magnesiumhaltigen Präparate sollte Migravent Classic bei gestörter Nierenfunktion nicht angewendet werden. Im Hinblick auf mögliche Resorptionsbeeinträchtigungen sollte generell ein Abstand von 1-2 Stunden zwischen der Einnahme von Migravent Classic und Arzneimitteln mit den folgenden Wirkstoffen eingehalten werden: Tetracycline, eisenhaltige Verbindungen, Natriumfl uorid, Isoniazid, Chlorpromazin und Digoxin.“5

 

Migravent:
Enthält Magnesium-Oxid, Vitamin B2, Coenzym Q10 und weitere Vitamine und Mineralstoffe.
4 Kapseln enthalten:

  • 600 mg Magnesiumoxid,
  • 400 mg Vitamin B2 (Riboflavin),
  • 150 mg Coenzym Q10
  • zusammen mit vielen anderen Vitaminen und Mineralstoffen

Wichtiger Hinweis laut Produktinformation: „Bei Migravent handelt es sich um eine ergänzende bilanzierte Diät. Nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden. Die Anwendung sollte gemäß der Gebrauchsempfehlung täglich über einige Monate erfolgen. Während der Anwendung von Migravent sollten Sie keine anderen magnesium- oder riboflavinhaltigen Produkte einnehmen. Schwangere und Kinder sollten die Anwendung mit ihrem Arzt abstimmen. Riboflavin ruft eine unbedenkliche gelbliche Färbung des Urins hervor. Breiige Stühle und Völlegefühl können auftreten. Wie alle magnesiumhaltigen Präparate sollte Migravent bei gestörter Nierenfunktion nicht angewendet werden. Im Hinblick auf mögliche Resorptionsbeeinträchtigungen sollte generell ein Abstand von 1 – 2 Stunden zwischen der Einnahme von Migravent und Arzneimitteln mit den folgenden Wirkstoffen eingehalten werden: Tetracycline, eisenhaltige Verbindungen, Natriumfluorid, Isoniazid, Chlorpromazin und Digoxin. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise sind wichtig.“6

Zu Migravent gibt es eine aktuelle Studie, die ich euch hier vorstelle.

 

Migra 3:
Enthält Coenzym Q10, sowie Magnesium und Vitamin B2 in geringen Mengen.
1 Portion enthält:

  • 150 mg Coenzym Q10,
  • 50 mg Magnesium
  • 1,6 mg Vitamin B2
  • und viele andere Vitamine, Mineralstoffe und Beerenextrakte

Wichtige Hinweise laut Produktinformation: „Das Produkt Migra 3 ist nicht zur Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt. Die Anwendung sollte täglich erfolgen. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge darf nicht überschritten werden. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Migra 3 ist kein vollständiges Lebensmittel. Es enthält leicht aufnehmbare Kohlenhydrate und sollte, sofern Störungen im Zuckerstoffwechsel vorliegen, nur unter sorgfältiger Stoffwechselkontrolle verwendet werden. Personen, die wegen anderer Erkrankungen in Behandlung sind, Schwangere und Kinder sollten die Anwendung von Migra 3 mit ihrem Arzt abstimmen.“7

 

Die Wirkstoffe können natürlich auch einzeln gekauft werden. Bitte besprecht euch mit eurem Arzt oder Apotheker, bevor ihr eines der Präparate zu euch nehmt.


2.

Verhaltensanpassung


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Gleichmäßiger Tagesablauf

Häufig wird ein geregelter Tagesablauf empfohlen, bei dem man immer zur gleichen Zeit Aufstehen, Essen und ins Bett gehen sollte.

Dies wird damit begründet, dass Schwankungen im Tagesrythmus ein Migränetrigger sein können.

Eine häufige Empfehlung ist es auch „Nein“-Sagen zu lernen und insgesamt ein (auch seelisch) ausgeglichenes Leben anzustreben. Hierzu sagt die Leitlinie zur Migränetherapie:

„Insbesondere scheint die einzelne Migräneattacke durch Zustandswechsel des Betroffenen ausgelöst werden zu können (z.B. Schlaf, Mahlzeiten, Anspannung) und ein „ausbalancierter Lebensstil“ einen positiven Effekt auf die Attackenfrequenz zu haben (Goadsby u. Sprenger 2010).“¹

Manche Migräniker berichten, dass bei ihnen Dehydrierung, Hunger oder Schwankungen im Blutzuckerspiegel ein Trigger sein können. Um dies zu vermeiden, kann man darauf achten unterwegs immer etwas zu Trinken und einen kleinen Snack wie z.B. Nüsse dabei zu haben.

In wie weit bestimmte Dinge wirklich Migräne-Trigger sind und ob die Vermeidung von Migräne-Triggern sinnvoll ist, wird im nächsten Kapitel besprochen.



2.2

Trigger-Vermeidung – gut oder schlecht?

Eine typische Empfehlung zur Verringerung von Migräneanfällen ist die Vermeidung von persönlichen Triggern. Wenn man also genau weiß, was bei einem selber einen Migräneanfall auslöst (z.B. Stress, bestimmte Lebensmittel, Dehydrierung, Hunger, blendendes Licht), kann man versuchen diese Auslöser so gut wie möglich zu vermeiden.

Zur Erkennung der persönlichen Trigger wird von Migränespezialisten empfohlen, ein Kopfschmerztagebuch zu führen.

Inzwischen ist die Trigger-Theorie umstritten. Manche Mediziner gehen davon aus, dass ein Migräniker kurz vor einer Attacke neurologische Veränderungen erfährt. So kann es z.B. zu einer höheren Licht- oder Lärmempfindlichkeit, oder plötzlichen Heißhungerattacken auf bestimmte Lebensmittel wie Schokolade kommen. Tritt dann kurz darauf ein Migräneanfall auf, wird Licht, Lärm oder Schokolade (vielleicht fälschlicher Weise) als Trigger identifiziert.

Daher sollte meiner Meinung nach jeder selber ausprobieren, ob ihm/ihr die Vermeidung bestimmter (vermeintlicher) Trigger hilft oder nicht.

Manche Ärzte warnen sogar davor, sich allzu sehr auf seine Trigger zu fokussieren, wie hier z.B. Prof. Dr. Peter Kropp (Rostock) in einem Artikel von 2010 zum Deutschen Schmerzkongress.

Laut der Neurologie der Uni Göttingen können nur bei sehr wenigen Migränepatienten eindeutige Trigger identifiziert werden:

„Eine Überbewertung von Migräneauslösern und damit eine zu starke Einschränkung seiner Lebensgewohnheiten sollte der Patient jedoch bleiben lassen, nur bei einem Teil der Patienten (etwa 10%) lassen sich eindeutige Ursachen nachweisen.“³



3.

Nicht-medikamentöse Prophylaxe


3.1

Ausdauersport

„Regelmäßiger aerober Ausdauersport“ wird in den Leitlinien zur Migränetherapie empfohlen, obgleich nicht ganz klar ist, ob sportliche Betätigung an sich einen Effekt erzielt, oder ob die positiven Ergebnisse einer entspannenden Wirkung oder auch einer Gewichtsreduktion zuzuschreiben sind. Bisher scheint es keine ausreichend großen Studien zu geben, die die Wirksamkeit des Sports an sich statistisch belegen.¹

Manche MigränikerInnen berichten davon, dass Sport an sich oder ein „Übertreiben“ beim Sport bei ihnen ein Migränetrigger sein kann.

Auch hier hilft nur ausprobieren und es langsam angehen lassen!


3.2

Entspannungsverfahren

Mit Hilfe von Entspannungsverfahren soll die Anfallsbereitschaft des Gehirns reduziert werden. Manche Migränepatienten berichten auch davon, dass sie mit Hilfe einer bestimmten Entspannungstechnik einen beginnenden Migräneanfall stoppen können.

Empfohlen wird häufig die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, je nach Vorliebe können aber z.B. auch Yoga, Chi Gong, Meditation, Achtsamkeitstraining oder Autogenes Training genutzt werden. Hierbei kommt es vor allem darauf an, welche Technik einem am meisten liegt und einen am meisten entspannt. Wichtig ist es, die Übungen nicht nur bei einem Migräneanfall, sondern regelmäßig durchzuführen.

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

„Metaanalysen kommen übereinstimmend zu der Einschätzung, dass Entspannungsverfahren (meist die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) im Mittel eine Reduktion der Migränehäufigkeit um 35–45 % erreichen (Penzien et al. 2005). Die Effektstärke dieser Verfahren liegt damit in dem Bereich, der für Propranolol angegeben wird.“¹


3.3

Psychotherapeutische Verfahren

Migräne ist keine psychosomatische Krankheit, trotzdem können psychotherapeutische Verfahren wie Stress- bzw. Schmerzbewältigung oder die kognitive Verhaltenstherapie helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen und dadurch weniger Migräne zu haben.

Laut Leitlinie der Migränetherapie gibt es standardisierte kognitiv-verhaltenstherapeutische Programme für Migränepatienten. Wenn man sich entschließt, eine Therapie zu beginnen, sollte man sich daher beim Therapeuten erkundigen, ob er Erfahrungen mit der Migränetherapie hat.

 

Studienlage (Leitlinien zur Therapie der Migräne 2012):

„Die Wirksamkeit psychologischer Therapie bei Migräne wird in mehreren Übersichtsarbeiten belegt (Andrasik 2004).“¹


3.4

Biofeedback

Informationen folgen


3.5

Akupunktur

Akupunktur scheint eine positive Auswirkung in der Vorbeugung der episodischen Migräne zu haben und kann daher empfohlen werden. Auch hier gilt: man muss ausprobieren, ob es einem persönlich hilft.

Seltsamer Weise scheint eine Scheinakupunktur genauso wirksam zu sein, wie eine TCM-Akupunktur, was aber für die meisten Patienten unerheblich sein dürfte.

Bei einem Vergleich von 22 Studien zu Akupunktur und Scheinakupunktur (Linde et al. 2009) wurde folgendes Fazit gezogen:

„Es besteht ausreichende Evidenz, dass Akupunktur einen zusätzlichen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne erbringt.

Weiterhin ergeben sich keine Hinweise, dass klassische Akupunktur einer Schein-Akupunktur überlegen ist.

Bezüglich des Vergleiches von Entspannungsübungen und Akupunktur kann keine Aussage gemacht werden.“¹


4.

Medikamentöse Prophylaxe

Zu Risiken und Nebenwirkungen lest bitte die Packungsbeilage und fragt euren Arzt oder Apotheker. Bitte nehmt keine Medikamente ohne vorher mit eurem Arzt gesprochen zu haben!

4.1

Medikamente zur Vorbeugung

Bestimmte Medikamente können regelmäßig eingenommen die Häufigkeit, Dauer und/oder Ausprägung der Migräne verbessern. Diese Medikamente sind keine spezialisierten Migräne-Medikamente, sondern man hat meist zufällig herausgefunden, dass Medikamente gegen andere Krankheiten auch eine gewisse Wirkung in der Vorbeugung der Migräne haben.

Wann der Nutzen die eventuellen Risiken und Nebenwirkungen der Medikamenteneinnahme überwiegt, muss jeder für sich und mit seinem Arzt überlegen.

Die Leitlinien zur Migränetherapie sagen dazu:

„Die Indikation zu einer medikamentösen Prophylaxe der Migräne ergibt sich bei besonderem Leidensdruck und Einschränkung der Lebensqualität.“¹

Eine Prophylaxe kann gerade dann sehr sinnvoll sein, wenn man so häufig Migräne hat, dass man regelmäßig Gefahr läuft, an mehr als den empfohlenen 10 Tage im Monat Medikamente (Triptane oder Schmerzmittel) gegen die Migräne zu nehmen. Bei zu häufiger Triptan- oder Schmerzmitteleinnahme besteht sonst die Gefahr, einen sogenannten „Medikamentenübergebrauchskopfschmerz“ zu bekommen. Also von den Medikamenten, die eigentlich gegen die Schmerzen helfen sollen, noch mehr Schmerzen zu bekommen.

Meist kann man erst nach ca. 2-3 Monaten beurteilen, ob das eingenommene Präparat dem Patienten hilft. Oft reicht für die Migräneprophylaxe eine niedrige Dosierung des Medikaments.

Die Leitlinien zur Migränetherapie listen die folgenden Medikamente auf:
(Ebenso können dort mögliche Nebenwirkungen nachgelesen werden und wann das jeweilige Medikament auf keinen Fall eingenommen werden sollte.)

Bevorzugt werden sollten (1. Wahl):

2. Wahl:

  • Amitriptylin (trizyklisches Antidepressivum)
  • Venlafaxin (Antidepressivum: selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
  • Gabapentin (Antiepileptikum; mit widersprüchlichen Aussagen über die Wirkung)
  • Acetylsalicylsäure (wahrscheinlich geringe Wirkung)
  • Naproxen (Nichtsteroidales Antirheumatikum)

Weitere Informationen findet ihr z.B. hier:


5.

Chronische Migräne

5.1

Botulinumtoxin

Informationen folgen


5.2

Implantant zur Neurostimulation

Informationen folgen


6.

Neues aus der Migräneforschung

6.1

Transkutane Neurostimulation

Bei der Neurostimulation werden Gehirnnerven oder -areale stimuliert. Neben der Möglichkeit sich bei schwerer chronischer Migräne ein Gerät für eine kontinuierliche Stimulation implantieren zu lassen gibt es inzwischen handliche tragbare Geräte, die eine elektrische Nervenstimulation transkutan (durch die Haut) durch den Migräniker selbst erlauben. Diese werden am Kopf, Ohr oder Hals angewendet.

Geräte zur transkutanen elektrischen Nervenstimulation (Stand 19.05.2015):

Zum Vergleich der Geräte hier im Blog

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Fußnoten & Quellen

[1] siehe Leitlinien zur Therapie der Migräne von 2012 (Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft DMKG, Deutsche Gesellschaft für Neurologie u.a.)

[2] siehe Empfehlungen der Schmerzklinik Kiel zur Vorbeugung der Migräne

[3] http://www.neurologie.uni-goettingen.de/index.php/migraene.html

[4] http://www.migrainetrust.org/factsheet-supplements-and-herbs-for-migraine-the-evidence-10897

[5] http://www.orthoexpert.de/fileadmin/user_upload/orthoexpert/Downloads/Produkt-Info_Migravent_Classic.pdf

[6] http://www.orthoexpert.de/fileadmin/user_upload/orthoexpert/Downloads/Produkt-Info_Migravent.pdf

[7] http://doppler-health-shop.de/epages/91766986-74b5-49c5-8e48-c94aded8f18c.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/91766986-74b5-49c5-8e48-c94aded8f18c/Products/4

 

[Andrasik 2004] Andrasik F. Behavioral treatment of migraine: current status and future directions. Expert Rev Neurother 2004; 4: 403–413

[Diener et al. 2004a] Diener H, Rahlfs V, Danesch U. The first placebo-controlled trial of a special butterbur root extract for the prevention of migraine: reanalysis of efficacy criteria. Eur Neurol 2004a; 51: 89–97

[Diener et al. 2005] Diener HC, Pfaffenrath V, Schnitker J et al. Efficacy and safety of 6.25 mg t. i.d. feverfew CO2-extract (MIG–99) in migraine prevention – a randomized, double-blind, multicentre, placebo-controlled study. Cephalalgia 2005c; 25: 1031–1041

[Goadsby u. Sprenger 2010] Goadsby PJ, Sprenger T. Current practice and future directions in the prevention and acute management of migraine. Lancet Neurol 2010; 9: 285–298

[Linde et al. 2009] Linde K, Allais G, Brinkhaus B et al. Acupuncture for migraine prophylaxis. Cochrane Database Syst Rev 2009; 1: CD001218

[Lipton et al. 2004] Lipton RB, Gobel H, Einhaupl KM et al. Petasites hybridus root (butterbur) is an effective preventive treatment for migraine. Neurology 2004; 63: 2240–2244

[Peikert et. al 1996] Peikert A, Wilimzig C, Köhne-Volland R. Prophylaxis of migraine with oral magnesium: results from a prospective, multi-center, placebo-controlled and double-blind randomized study. Cephalalgia 1996; 16: 257–263

[Penzien et al. 2005] Penzien DB, Andrasik F, Freidenberg BM et al. Guidelines for trials of behavioral treatments for recurrent headache, first edition: American Headache Society Behavioral Clinical Trials Workgroup. Headache 2005; 45 (Suppl. 2): S110–S132

[Pfaffenrath et. al 1996] Pfaffenrath V, Wessely P, Meyer C et al. Magnesium in the prophylaxis of migraine – a double-blind, placebo-controlled study. Cephalalgia 1996; 16: 436–440

[Pfaffenrath et al. 2002]

[Sandor et al. 2005] Sandor PS, Di Clemente L, Coppola G et al. Efficacy of coenzyme Q10 in migraine prophylaxis: a randomized controlled trial. Neurology 2005; 64: 713–715

[Schoenen et. al 1997] Schoenen J, Jacquy J, Lenaerts M. High-dose power riboflavin as a novel prophylactic antimigraine therapy: results from a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Cephalalgia 1997; 17: 244

[Schoenen et. al 1998] Schoenen J, Jacquy J, Lenaerts M. Effectiveness of high-dose riboflavin in migraine prophylaxis – A randomized controlled trial. Neurology 1998; 50: 466–470

[Slater et al. 2011] Slater SK, Nelson TD, Kabbouche MA et al. A randomized, double-blinded, placebo-controlled, crossover, add-on study of CoEnzyme Q10 in the prevention of pediatric and adolescent migraine. Cephalalgia 2011; 31: 897–905


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