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Erster CGPR-„Impfstoff“ gegen Migräne kurz vor Zulassung

Ampullen und Spritze

CGRP-Antikörper als Migräne-Prophylaxe: „Galcanezumab“ von Eli Lilly und „Erenumab“ von Amgen

Viele Migräniker/innen warten sehnsüchtig auf die ersten neuen prophylaktischen Migräne-Medikamente – die sogenannte „Migräne-Impfung“. Einige Firmen entwickeln zur Zeit diese Medikamente auf Basis von CGRP-Antikörpern und liefern sich dabei ein Kopf an Kopf rennen.

Nun scheint das erste Medikament scheinen die ersten Medikamente noch früher als erwartet vor der Zulassung zu stehen.Die Firma Eli Lilly and Company will ihr CGRP-Medikament mit Namen „Galcanezumab“ (in der Entwicklung noch „LY2951742“ genannt) im zweiten Halbjahr diesen Jahres (2017) der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung vorstellen.¹

Update: Der Konkurrent Amgen, der seinen CGRP-Antagonisten „Erenumab“ zusammen mit Novartis entwickelt, hat dies schon im Mai getan.² (Vielen Dank an Charlotte für den Hinweis!)

 

Galcanezumab

Die CGRP-Antikörper haben laut Eli Lilly in allen 3 finalen Studien die Erwartungen erfüllt. Und: das Medikament scheint sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne zu wirken!

Bei episodischer Migräne:

  • Die Anzahl der Migräne-Tage pro Monat konnte reduziert werden: je nach Dosis schwankte die Reduktion in 2 verschiedenen Studien zwischen 4,2 und 4,7 Tagen gegenüber 2,3 und 2,8 Tagen bei Placebo (statistisch hoch signifikant mit p < 0.001).
  • Auch andere Ergebnisse wurden als positiv erachtet, wie z.B. die Anzahl der Probanden, bei denen die Behandlung anschlug (Responderrate) oder die tägliche Aktivität der Teilnehmer (statistisch signifikant gegenüber Placebo).

Bei chronischer Migräne:

  • Die Anzahl der Migräne-Tage pro Monat konnte reduziert werden: je nach Dosis um 4,6 bzw. 4,8 Tage gegenüber 2,7 Tagen bei Placebo (statistisch hoch signifikant mit p < 0.001)
  • Auch hier wurden sekundäre Ziele der Studie wie Responderrate und die tägliche Aktivität der Teilnehmer erreicht (statistisch signifikant gegenüber Placebo).

Bei Clusterkopfschmerzen:

  • Hier laufen die Phase 3 Studien noch, laut Eli Lilly & Co. werden die Ergebnisse 2018 erwartet.

Weitere detaillierte Daten sollen später bekannt gegeben und veröffentlicht werden.

 

Erenumab

Amgen hat die neusten Ergebnisse seiner Studien laut Pressemeldung² beim 59. Annual Scientific Meeting of the American Headache Society (08.-11.06. in Boston) vorgestellt. (Details folgen, sobald ich mehr darüber erfahren konnte.)

 

Weitere CGRP-Antikörper in der Entwicklung

Hier findet ihr eine laufend aktualisierte Liste aller mir bekannten CGRP-Antikörper, die gerade entwickelt werden. Mit Links zu Studienergebenissen 🙂

 

Eure Erfahrungen

Habt ihr schon darüber nachgedacht, ob ihr die neuen Medikamente ausprobieren möchtet, oder habt ihr sogar schon an einer Studie mit CGRP-Antikörpern teilgenommen? Schreibt einen Kommentar!


[1] Pressemeldung zu den Ergebnissen der Studien von Eli Lilly

[2] Pressemeldung von Amgen zu Erenumab


Zum Weiterlesen:


Beitragsbild oben © nikilitov / Fotolia.com (Ausschnitt)


 

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17 Gedanken zu “Erster CGPR-„Impfstoff“ gegen Migräne kurz vor Zulassung

  1. Hallo ich habe an die Studie von Agentur teilgenommen. Das Medikament hat gewirkt. Nur als es nach 6 Behandlungen wieder abgesetzt wurde kam die Migraine sofort zurück. Zudem gab s Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit und Blut Hochdruck…. Die Studie hatte viele Schwächen.

  2. Ich meine die Studie von Amgen

  3. Hallo,
    gibt es denn schon eine realistische Einschätzung, wann der „Impfstoff“ auch bei uns in Deutschland zur Verfügung stehen wird?

    1. Das Amgen-Medikament heißt jetzt Aimovig. Amgen hat die Zulassung im Mai beantragt. Die Fachwelt hofft, dass das Medikament als erstes dieser Klasse nächstes Jahr im Mai in den USA zugelassen wird.

  4. Wo kann ich an der Studie teilnehmen ( ich Wohne in BaWü, PLZ 73230)

    1. Liebe Sabine,
      leider bin ich mir nicht sicher, ob in Deiner Nähe eine Studie mit CGRP durchgeführt wird, die auch noch Probanden sucht. Du könntest Dich mit der Frage aber an ein Kopfschmerzzentrum in Deiner Nähe wenden, z.B. an die Uniklinik Tübingen: https://www.medizin.uni-tuebingen.de/Patienten/Kliniken/Neurologie/Ambulanzen/Kopfschmerz+und+neuropathischer+Schmerz.html .

      Wenn mir neue Studien zu Ohren kommen, werde ich auf jeden Fall hier im Blog darüber berichten. Wenn Du magst, abonniere doch meinen Newsletter, dann kannst Du nichts verpassen.
      LG, Fran

  5. Hallo Zusammen,

    bin seit mehreren Jahren schon chronischer Migräniker und habe schon fast alles ausprobiert, um endlich erleichterung zu finden.
    Nehme u.a. Triptane, Novalgin und Tilidin.
    Die CGRP-Antikörper Therapie gibt mir Hoffnung auf ein wenig Erleichterung.
    Würde gerne wissen wollen, wo ich mich für eine Studie bewerben bzw. wo ich eines der Medikamente ausprobieren könnte.
    Wohne in Baldham bei München

    Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar

    Liebe Grüße
    Christine Schöner

    1. Liebe Christine,
      am einfachsten wäre es, sich an ein Kopfschmerzzentrum in Deiner Nähe wenden, z.B. an die Uni München: http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Neurologie/de/Klinik/Neurologische_Poliklinik/Kopfschmerz_-_Ambulanz/index.html .

      Oder direkt an die Hersteller der Medikamente – hier habe ich alle Medikamente und ihre Hersteller aufgelistet: http://www.migraeneundkopfschmerznews.de/studien/cgrp-update-zu-medikamenten-in-der-entwicklung/

      LG, Fran

    2. Hallo Christine,

      wohne auch in Baldham.
      Vielleicht können wir ja mal telefonieren: [Telefonnummer entfernt]
      Bitte erst ab 13 Uhr anrufen.

      LG

      Karin

      1. Liebe Karin,
        ich habe Deine Telefonnummer aus Datenschutzgründen entfernt, sonst bekommst Du nachher tausende von Werbeanrufen.

        Ich kann gerne den Kontakt zwischen euch herstellen, dafür müsstet ihr mir nur beide bestätigen, dass ich euch kontaktieren darf.
        Ihr könnt mir gerne per Email schreiben! fran (at) migraeneundkopfschmerznews.de

  6. Hallo auch ich bin betroffen, habe in diesem Jahr, seit 40 Jahren Migräne. Nun sind Clusterkopfschmerzen seit ein paar Jahren hinzu gekommen. Habe schon soooo viel ausprobiert und selbst bezahlt. Würde gerne an der CGRP- Studie teilnehmen. Wohne in MV, was ist hier möglich, würde auch weit fahren.
    Liebe Grüße aus MV sendet Euch Anne Pagel

    1. Liebe Annegret,
      versuche es doch mal in Rostock im Kopfschmerz-Zentrum Nord-Ost: https://neurologie.med.uni-rostock.de/die-klinik/die-poliklinik/kopfschmerzzentrum-nord-ost/

      Es könnte sein, dass dort gerade ein CGRP-Medikament getestet wird, zumindest wird es auf der Webseite clinicaltrials.gov gelistet:
      https://clinicaltrials.gov/ct2/show/study/NCT02964338

      Viel Erfolg!

  7. Hallo
    Leide auch seit über 40 Jahren an Migräne. Alle Schmerzmittel wirken höchstens ein wenig als Schadensbegrenzung, ein frustrierender Zustand. Habe 5 Jahre lang deswegen Betablocker genommen. Zu Beginn etwas weniger Migräne. Seit 2 Monaten nehme ich ihn nicht mehr (Haarausfall usw.).
    Wohne in der CH, wann wird das Medi wohl hier zugelassen? Wieder mal ein Hoffnungsschimmer.

  8. Ich bin auch sehr von Migraene-Attacken geplagt (mind. 25 p. M.) und wuerde gerne an einer Studie teilnehmen.
    Ich wohne im Kreis Karlsruhe und haette gerne gewusst welche Neurologie in Nordbaden hier weiter helfen kann.

    Gruss

    Gerhard

    1. Lieber Gerhard,
      laut der Website clinicaltrials.gov, auf der aktuelle medizinische Studien gelistet werden, sieht es so aus, als würde evtl. der Hersteller Teva demnächst wieder in Deutschland testen. Hier findest Du die Studie: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/study/NCT03308968?term=NCT03308968&rank=1&show_locs=Y#locn

      Dort wird als Ort in Deiner Nähe z.B. Göppingen gelistet, ich nehme an, dass damit das Schmerzzentrum Göppingen gemeint sein könnte, da es die gleiche PLZ hat: http://www.mueller-schwefe.de/

      Du könntest entweder direkt bei Teva anfragen, oder im Schmerzzentrum Göppingen, oder einem anderen (Kopf-)Schmerzzentrum in Deiner Nähe.

      In diesem Blogartikel habe ich noch mal zusammengefasst, wie man evtl. CGRP-Studien in seiner Nähe aufspüren könnte: http://www.migraeneundkopfschmerznews.de/studien/cgrp-studien-wie-finde-ich-eine-teilnahmemoeglichkeit/

      Ich wünsche Dir viel Erfolg!

      Viele Grüße, Fran

  9. Hallo, meine Tochter und ich leiden an sehr starken Migräneanfällen, wobei meine Tochter(17) auch regelmäßig krampfanfälle mit Ohnmacht erleidet. Leider konnten uns keine Ärzte und sämtliche Untersuchungen bisher helfen. Nun meine Frage: bekommt man diese Impfung einfach so, oder muss man diese selbst bezahlen? Habe erst jetzt von dieser Impfung erfahren und leider nicht nicht viele Informationen dazu. Würde mich freuen, wenn ihr mir/ uns weiterhelfen könntet. Daaaaanke vielmals. Lg Sandra

    1. Liebe Sandra,
      die sogenannte „Migräne-Impfung“ mit CGRP-Antikörpern ist leider noch nicht auf dem Markt.
      Ich würde euch raten, euch in einem spezialisierten Kopfschmerzzentrum beraten zu lassen, da ihr ja leider unter sehr heftigen Migräneattacken leidet. Dort sind sie auf dem neusten Stand und können euch am besten helfen. Auch vielleicht damit, nach der Zulassung so schnell wie möglich die neue „Impfung“ testen zu können. In welcher Gegend wohnt ihr denn?

      Wie die Voraussetzungen sind und ob/was die Krankenkassen übernehmen, ist leider noch nicht klar. Da die Medikamente wahrscheinlich recht teuer in der Herstellung sind, ist man in einem spezialisierten Zentrum wahrscheinlich an der richtigen Adresse, was Verschreibung und Beratung angeht.

      Wenn Dich interessiert, wie CGRP-Antikörper genau funktionieren (eigentlich ist es gar keine richtige „Impfung“) – die Schmerzklinik Kiel hat einen interessanten, aber auch recht langen Artikel darüber geschrieben: http://www.schmerzklinik.de/2015/03/25/cgrp-impfung-gegen-migraene/

      Bist Du Dir denn sicher, dass ihr alle möglichen Prophylaxen ausprobiert habt? Leider kennen sich immer noch viele Ärzte, auch Neurologen und vermeintliche Spezialisten, nicht sehr gut mit Migräne aus. Wenn Du Dich selber informieren möchtest, auch dafür ist die Schmerzklinik Kiel ein guter Anlaufpunkt, hier z.B. die Seite über Vorbeugung: http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/vorbeugung/
      Oder auch die „Leitlinien der Migränetherapie“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: https://www.dgn.org/leitlinien/11-leitlinien-der-dgn/2298-ll-55-2012-therapie-der-migraene

      Ich wünsche euch alles gute und viel Erfolg in der Migräne-Bekämpfung!

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