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Genetischer Zusammenhang zwischen Migräne und Reizdarm?

Darm und Migräne

Auf der Suche nach einem besseren Verständnis für die Ursache von Migräne (und neuen Behandlungsmöglichkeiten) stoßen Forscher auch immer wieder auf interessante Zusammenhänge mit anderen Krankheiten.

Dr. Uluduz von der Istanbuler Universität hat nun möglicherweise Gemeinsamkeiten zwischen Migräne und dem Reizdarmsyndrom gefunden.

Er untersuchte und befragte 107 Migränikern 53 Menschen mit Spannungskopfschmerzen, 107 Menschen mit Reizdarmsyndrom und 53 Gesunde und fand Folgendes heraus:¹

  • 54% der Migräniker litten auch am Reizdarmsyndrom,
  • 28% der Menschen mit Spannungskopfschmerzen litten auch am Reizdarmsyndrom,
  • 36% der Menschen mit Reizdarmsyndrom hatten auch Migräne, 22% hatten Spannungskopfschmerzen.

Migräne und Reizdarm – direkter Zusammenhang?

Nun stellt sich bei solchen Funden immer die Frage nach dem kausalen Zusammenhang. Gibt es einen direkten physiologischen  Zusammenhang, eine gemeinsame Ursache?

Welche Rolle spielt die Psyche?

Bei beiden Krankheiten wird von Außenstehenden oft fälschlicher Weise angenommen, dass es sich um eine rein psychisch bedingte Krankheit handelt.

Tatsächich weiß man, dass Migräniker ein erhöhtes Risiko haben, auch an Depressionen oder Angsterkrankungen zu leiden. Und auch Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden häufiger als normal an psychischen Störungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen wiederum häufiger am Reizdarmsyndrom². Könnte also nicht auch die Psyche der gemeinsame Nenner sein?

Bei Migräne ist man sich sicher, dass es sich um eine neurologische und nicht um eine psychosomatische Krankheit handelt. Es muss also noch einen tiefer liegenden Zusammenhang zwischen der Migräne und Depression und Angsterkrankungen geben:

„Although chronification of pain may breed demoralization and associated psychiatric distress, it is unlikely that depression or anxiety results only as a consequence of the burden of living with recurrent headache, or that psychiatric distress is the cause of migraine. Recent characterizations of psychopathology and headache have implicated shared neuropathic mechanisms between migraine and affective disorders and bidirectional influences.“
(http://www.medscape.com/viewarticle/507366_3)

Und auch beim Reizdarmsyndrom scheint die Psyche zwar ein verstärkender Faktor zu sein, aber nicht die alleinige Ursache der Krankheit:

„Psychological factors are not a primary cause of IBS. They may influence how a person seeks to manage and deal with IBS. Emotional distress may be associated with a worsening of IBS symptoms.“
(http://www.aboutibs.org/site/what-is-ibs/intro-to-ibs/psychological-factors)

 

Genetische Gemeinsamkeiten

Man fand jedoch einen anderen handfesten Zusammenhang: Migräniker, Menschen mit Spannungskopfschmerzen und auch Menschen mit Reizdarm zeigten Veränderungen der gleichen Gene (des Serotonin Transporter Gens und des Serotonin Receptor 2A Gens).

Laut Dr. Uluduz könnte die Entdeckung der Gemeinsamkeiten in Zukunft zu neuen Behandlungsstrategien führen. Allerdings seien dazu weitere Studien nötig.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie von Dr. Uluduz sollen vom 15. bis 21.4. auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology in Kanada vorgestellt werden.

 


Auch interessant:


Quellen:
[1] https://www.aan.com/PressRoom/Home/PressRelease/1434
[2] Leitlinie Reizdarmsyndrom der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, S. 244 f. http://www.dgvs.de/leitlinien/reizdarmsyndrom/


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3 Gedanken zu “Genetischer Zusammenhang zwischen Migräne und Reizdarm?

  1. Danke für die hilfreichen News. Bin seit 25 Jahren Migränikerin, ich leide an einer
    chronischen Migräne. Es war für mich eine Erleichterung zu erfahren, daß es
    viele Leidensgenossen mit genau dem gleichen Krankheitsverlauf gibt.
    Ich glaube, daß Migräne und Reizdarmsyndrom eines gemeinsam haben, näm-
    lich eine falsche, zuckerreiche Ernährung! Auch ich nehme seit Jahren Citalopram
    20mg als Stimmungsaufheller. Ansonsten führe ich mit meinen 65 Jahren als
    Rentnerin ein total entspanntes Leben. Aber glaube mal nicht, dass dadurch die
    Migräne verschwunden ist.

    1. Hallo Angela,
      leider gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass Migräne oder Reizdarm nur über eine Ernährungsumstellung zu heilen ist. Trotzdem kann es natürlich nicht schaden auf eine gesunde Ernährung zu achten. Auch Antioxidantien und Probiotika standen in letzter Zeit im Fokus der Forscher und es wurde ein Zusammenhang zwischen einer kranken Darmbarriere und verschiedenen neurologischen Erkrankungen diskutiert, ich habe dazu hier ein paar Fakten zusammengetragen.
      Viele liebe Grüße, Fran

    2. Hierzu noch ein Auszug aus den Leitlinien zum Reizdarmsyndrom der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
      (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM):
      „Das Thema „Ernährung“ im Kontext von Reizdarmsyndrom (RDS) wird kontrovers diskutiert. Zum einen ist unklar, ob Ernährungsfaktoren bei der Entstehung von RDS eine Rolle spielen, zum anderen ist wenig bekannt, inwieweit ernährungsmedizinische Maßnahmen sinnvoller Bestandteil eines Therapiekonzepts für Patienten mit RDS sein können.“ (S. 262, http://www.dgvs.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Reizdarmsyndrom/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf)

      Anscheinend ist Migräne nicht dich einzige Krankheit, bei der vieles noch unklar ist!

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