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Rhinochill: Nase/Gehirn-Kühlung gegen Migräne

Nasen-Kühlung gegen Migräne

Britische Forscher gehen einem neuen Ansatz nach: die Kühlung des Nasenraums mit dem Gerät „Rhinochill“ soll Migräne stoppen oder zumindest verbessern können.

Da fragt man sich, warum ausgerechnet die Kühlung der Nase etwas gegen Migräne bewirken soll?

 

Die Wirkung

Die Nasenschleimhaut ist voller Blutgefäße. Über kleine Schläuche wird der Naseninnenraum und damit auch die Blutgefäße gekühlt. Das führt wiederum dazu, dass kühleres Blut ins Gehirn gelangt. Sozusagen eine Gehirn-Klimaanlage, die an der Nase eingestöpselt wird 😉

Das Gerät Rhinochill der Schweizer Firma BeneChill International AG wird aktuell schon eingesetzt, um die Auswirkungen von Herzstillstand oder Schlaganfall auf das Gehirn abzumildern. Man nennt das Kryotherapie.

Die Wirkung von Rhinochill bei Migräne soll auf folgenden Faktoren beruhen:

  • Zusammenziehen der Blutgefäße und langsamerer Blutfluss, wordurch u.a. weniger entzündliche Stoffe freigesetzt werden,
  • Verringerung weiterer Symptome der neurogenen Entzündung im Gehirn (Gefäßdurchlässigkeit, Austritt von Flüssigkeit aus Gefäßen),
  • Beeinflussung der Schmerzweiterleitung durch Nervenfasern.

 

Und – funktioniert es?

Eine erste Pilotstudie hat positive Ergebnisse gebracht und die Rekrutierung für eine größere, placebo-kontrollierte Studie ist inzwischen angelaufen. Die Ergebnisse der Pilotstudie von 2013/2014 wurden jetzt im Magazin „Journal of Headache and Pain“ veröffentlicht.

Studie mit 15 Patienten, die insgesamt 20 Behandlungen erhielten

  • Insgesamt 87% der Behandlungen erzielten ein positives Ergebnis (Schmerzfreiheit oder Besserung auf milde Schmerzen)

Sofortwirkung:

  • 40% (8) komplett schmerz- und symptomfrei
  • 50% (10) mindestens Besserung auf nur milde Schmerzen und teilweise Symptomfreiheit

Nach 2 Stunden:

  • 45% (9) komplett schmerz- und symptomfrei
  • 45% (9) mindestens Besserung auf nur milde Schmerzen und teilweise Symptomfreiheit

Nach 24 Stunden:

  • 50% (10) komplett schmerz- und symptomfrei
  • 15% (3) mindestens Besserung auf nur milde Schmerzen und teilweise Symptomfreiheit
  • 25% (5) Migräne wiedergekehrt
  • 10% (2) keine Besserung

 

Fazit

Wie die Autoren der Studie selber sagen, handelte es sich nur um eine sehr kleine Studie, bei der es auch keine Placebo-Gruppe gab. Die Ergebnisse sind für ein nicht-medikamentöses Verfahren aber ziemlich beachtlich und machen Hoffnung auf den nächsten Schritt. Zurzeit werden 90 Probanden für eine doppelblinde, placebo-kontrollierte Studie an 3 Zentren in Großbritannien rekruiert. Die Ergebnisse werden wohl schon im Juni 2016 erwartet.

Zu bedenken ist allerdings, dass Rhinochill ein Gerät ist, das vom Arzt eingesetzt wird. Die Probanden der ersten Studie mussten bei jedem Anfall zum Arzt fahren, um sich behandeln zu lassen, was zu einigen Ausfällen führte, wenn der Arzt nicht erreichbar war, oder die Migräne zu stark war, um das Haus zu verlassen. Das sehe ich als recht problematisch an. Richtig praktikabel wäre das Gerät erst, wenn ein entsprechendes Gerät für Zuhause entwickelt würde – das dann auch noch bezahlbar ist!

Wir dürfen gespannt sein!


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Beitragsbild von Ryan Mcguire / Unsplash unter Creative Commons 0


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5 Gedanken zu “Rhinochill: Nase/Gehirn-Kühlung gegen Migräne

  1. Ein spannender Artikel. Das klingt vielversprechend

  2. RhinoChill®: Nase/Gehirn-Kühlung gegen Migräne
    Hallo Fran, vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit und Neuigkeiten vom 29.02.2016.
    Der Bericht über die britischen Forscher mit dem neuen Ansatz zur Migränelinderung mittels „Kühlung des Nasenraums mit dem Gerät `RhinoChill®ˆ ist eine erfreuliche Perspektive. Zu D/Nachsatz „da fragt man sich, warum ausgerechnet die Kühlung der Nase etwas gegen Migräne bewirken soll?“ erlaube ich mir als Laie anzumerken, dass dies wohl ein mindestens prüfenswertes Puzzleteil ist, das bei der Suche nach Linderung als weitere Ursache möglich sein könnte.
    Allgemein fällt mir auf, dass der nasale Bereich vermehrt im Focus steht, sei es als Applikationsort von neuen Medikamenten oder als sonstiger Ansatzpunkt usw.
    Die Wirkung von „RhinoChill®“ im Nasenraum dürfte sich mE auch auf den unter der Nasenschleimhaut befindlichen Schwellkörper-Bereich auswirken und sich mit der kühlenden Wirkung ebenfalls im Schwellköper-Gewebebereich auswirken und zu einer Kopfschmerz-Reduktion führen. Gerne stehe ich für Auskünfte zur Verfügung [E-Mail-Adresse aus Spam-Schutz-Gründen entfernt]
    Mit freundlichen Grüssen René

    1. Hallo René,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Die Frage, warum ausgerechnet die Kühlung der Nase etwas gegen Migräne bewirken soll war eher eine rhetorische Überleitung zum nächsten Absatz. Laut den Autoren der Studie liegt der Grund in der Vielzahl der Blutgefäße und Nervenenden in der Nase.
      Viele Grüße, Fran

  3. Hallo Fran, danke für D/Antwort. Kein einziges Wort gegen die Studie, deren Autoren sowie die Aussage „….. liegt der Grund in der Vielzahl der Blutgefäße und Nervenenden in der Nase…“ aber ein Hinweis auf eine weitere und mE möglichen Zusammenhang.
    Mit freundlichen Grüssen René

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